New Directions in Manual Therapy

Januar 2021

Rundschreiben als PDF

Liebe Kollegen und Freunde der Osteopathie!

Rückschau 2020

Wow...was für ein Jahr wir alle hinter uns haben!

Schöner Jahresbeginn

2020 begann super gut für uns. Wir hatten übervolle Kurse, mussten Zusatzkurse für die neue ViszeroFasziale Integration anhängen, volle Praxis in Portland mit Warteliste für neue Patienten von über einem Jahr und ein wunderbarer Urlaub in Mexiko im Februar.

Corona kommt!

Dann brach alles schlagartig im März zusammen! Wir waren 6 Wochen ohne Arbeit Zuhause und konnten uns endlich mal Aufräumprojekten widmen, die in über 25 Jahre Unterrichten in Europa immer wieder hinten angestellt wurden. Wir füllten Unmengen von Tüten mit Altkleidung und Altpapier! Michael arbeitete an einer langen Liste von Hausprojekten und Iris verarbeitete unsere Brennesseln zu Gemüse und stellte Löwenzahnöl (gut für trockene Haut!) her.

Arbeitslosengeld war nur mit sehr viel Einsatz zu bekommen und erreichte uns erst endlich im September.

Anfang Mai begann Iris, wieder zu arbeiten. Michael durfte als Massagetherapeut erst im Juli wieder Patienten behandeln. Dank des Ausmaßes der Corona-Krise in New York, wo die Kühlwagen vor den Krankenhäusern standen, um die Toten abzuholen, waren alle völlig verunsichert. Unter anderem wurde Manualtherapeuten empfohlen, die Oberkleidung zwischen Patienten jedesmal vollständig zu wechseln! Trotz großer Reinigungsinvestitionen (Desinfektionsmittel gab es entweder gar nicht oder nur zu extrem hohen Preisen zu kaufen) kamen die Patienten nur sehr zögernd. 20% sind immer noch nicht wieder aufgetaucht! Stattdessen kamen neue Patienten, da auch viele Therapeuten außer durch Zoom keine direkte Therapie mehr machen wollten.

Black Lives Matter.....

Am 25. Mai, als Iris sich gerade an das neue Arbeiten gewöhnt hatte, wurde der schwarze George Floyd brutal von Polizisten umgebracht. Ein paar Tage später begannen Black Lives Matter Demonstrationen überall in den USA und besonders in Portland. Diese Demonstrationen fanden täglich!!! weiter statt bis zur Wahl des neuen US Präsidenten am 3. November 2020!

Die Proteste waren weitgehend friedlich, aber zunehmend kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen von Anarchisten spätabends mit Einschlagen von Geschäftsschaufenstern und Vandalismus in einigen Straßen von Portlands Stadtzentrum. Diese sind bis jetzt mit Sperrholzplatten gesichert. Die Situation verschärfte sich, als Trump Militär nach Portland schickte!

Waldbrände

Als wenn die Probleme nicht schon genug gewesen wären, bekamen wir Anfang September nach einem großen Windsturm Waldbrände in Oregon bis nahe an Portland ran. Als Iris am 8. September Abends nach der Arbeit nach Hause fuhr (wir wohnen etwas auf dem Land), sah sie im Bereich unseres Hauses eine große Rauchwolke am Himmel. Das Haus befand sich in Stufe 1 Feuergefahr („Mach dich bereit, zu gehen“). Innerhalb von 2 Tagen bewegte es sich auf Stufe 2 zu („Evakuiere schon, wenn du kannst“). Das Feuer war zu dem Zeitpunkt 7 km von unserem Haus entfernt, getrieben von bis zu 40 km/h Wind. Wir packten im Rasenstempo alles, was uns am meisten wert war (einschließlich unseres Teddybärs!) und evakuierten in die Stadt, wo wir sicher waren.

Durch das Feuer hatte Portland für über 1 Woche die schlechtesten Luftwerte der ganzen Welt (AQI über 500!!). Die Sonne war nicht mehr zu sehen. Alle Einwohner wurden aufgefordert, auf Grund der gesundheits-gefährdenden Luftwerte in ihren Häusern zu bleiben und die Fenster nicht mehr zu öffnen. Nur mit N95 Maske war es überhaupt erträglich, kurz draußen rumzulaufen. Von denen hatten wir ja Dank Covid inzwischen alle genug! Es fühlte sich an, als wenn die ganze Welt untergehen würde! Aber wir hatten Glück und konnten nach 2 Wochen wieder zurückziehen.

Politik

Im Hintergrund stand immer Trump mit störenden täglichen Tweets und den Vorbeitungen zur amerikanischen Präsidentenwahl. Die Spannungen und Aggressionen zwischen Liberalen und Republikanern nahmen konstant zu, und auch Covid blieb dabei nicht außen vor. Liberale bekannten sich als Maskenträger, während man bei Maskengegnern meist davon ausgehen konnte, dass man einen Trump-Anhänger vor sich hatte.

Herausforderung Europa

Dann stand auch schon unsere Europareise am 24. Oktober vor der Tür, weil wir immer noch kommen und unterrichten wollten. Wir erhofften uns auch eine Ruhepause von den USA! Wir hatten nach einigen Wochen Warten eine speziell zertifizierte Heiratsurkunde bekommen (Apostille), mit der Michael nach Deutschland einreisen durfte. Da Iris deutsche Staatsbürgerin ist, durften wir in Deutschland einreisen und beschlossen in Hamburg in der Nähe von Iris Mutter in ein Appartementhotel zu gehen, um die 14 tägige Quarantänepflicht zu erfüllen. Plötzlich fingen kurz vor unserer Abreise überall in Europa die Covid-Zahlen an zu steigen und alle Auflagen wurde schwieriger. Schon beim Check-in in Portland durfte Michael trotz Apostille nicht auf den Flug. Aber da Michael sich nicht einfach abschieben ließ, konnten wir doch nach einigem telefonischen Nachforschen des Delta Mitarbeiters beide fliegen.

Nach negativem PCR Test beim Hamburger Flughafen konnten wir aus der Quarantäne und alles schien sich vorwärts zu bewegen. Wir hatten ein Appartement, wo wir unseren Jetlag ausschlafen konnten, ein Sterne-Restaurant im Haus fast für uns alleine, und eine Wellness-Anlage, die wir per Stundentermin alleine nutzen konnten.

Lockdowns

Dann kam nach einer Woche der neue Lockdown in Deutschland und ein paar Tage später in Österreich. Wir bewegten uns nun täglich auf den Websites dreier verschiedener Länder, um die neuesten Covid Vorschriften zu verstehen. Da die Schweiz noch nicht im Lockdown war, konnten wir dort noch unterrichten.

Im Lockdown zu reisen war fast unmöglich. Man muss überall unterschiedliche Papiere vorlegen, um zu beweisen, dass man rechtsmäßig unterwegs ist. Und Essen unterwegs? Wo und wie?

Mit steigenden Covid-Zahlen und immer strengeren Regeln, war es uns klar, dass die Durchführung der geplanten Kurse für uns und die Teilnehmer praktisch immer schwieriger wurde. Wir wollten auch nicht plötzlich ohne Rückflug hängen bleiben. Und erholsam war es in Europa leider auch nicht! Deswegen sagten wir die Kurse in Walchsee mit schwerem Herzen ab. Es tat uns sehr leid, dass wir die meisten von euch im letzten Jahr nicht sehen konnten.

Wir waren schon froh, als wir wieder heil und gesund in Portland landeten. Unsere 3 Wochen in Europa mit dauernder Ungewissenheit erschienen uns wie 3 Monate.

Am Tag nach unserer Ankunft ging Oregon in Lockdown. Wir mussten wieder in Quarantäne gehen. Iris konnte glücklicherweise ihre Praxis sehr schnell danach wiederbeleben, und nach dem Biden Wahlsieg erschien das Leben hier zumindest über die Weihnachtstage etwas ruhiger und entspannter. Wir konnten das erste Mal in 25 Jahren die Adventszeit zu Hause genießen!

Aufstand in Amerika

Und schon während wir diesen Brief schreiben, geht es hier in den USA mit der Aufregung wieder los. Gerade wurde von Trump-Anhängern nach Aufruf von ihm das Congressgebeude gestürmt. Frohes neues Jahr?

Inzwischen kam es endlich ohne große Zwischenfälle zur Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris. Ein neuer Anfang für Amerika.

Dennoch existiert immer noch eine tiefe Spaltung in der Bevölkerung. Es gibt viel, was über lange Zeit kaputt gegangen ist, zu heilen aber wir blicken mit neuer Zuversicht in die Zukunft! Viele unserer Patienten sagen, sie können endlich wieder aufatmen und wachen nicht mehr täglich mit Angst auf.

Dankbarkeit

Was wir im letzten Jahr wirklich gelernt haben, ist dankbar für alles zu sein, was wir sind und was wir haben und den nächsten Moment nicht für selbstverständlich zu nehmen.

Covid Nachwirkungen

Wir hatten inzwischen auch die Chance, mehrere Patienten mit nicht zu unterschätzenden Covid Späteffekten zu behandeln. Für diese Patienten empfehlen wir insbesondere, die Leber, Pleura und Lungen (insbesondere unten rechts) und das Mediastinum so lange zu behandeln, bis die Mobilität und Motilität sich wieder normalisieren.

In vielen Studien weltweit hat sich gezeigt,  dass Vitamin D zu einer Symptomverringerung bei Covid-19 beiträgt.

Und Vorschau.....

Die Kurse haben wir alle weitgehend weitergeschoben in dieses Jahr und wir hoffen sehr, dass es alles klappen wird.

Für die von euch, die auf der Warteliste für den Viszerofaszialen Kurs in Bad Krozingen stehen, möchten wir euch mitteilen, dass wir eine zusätzliche Serie planen. Bezüglich all der Schwierigkeiten mit Kursmaßnahmen während Covid, möchten wir aber noch abwarten, bevor wir den Termin fixieren. Wir werden euch per Email informieren.

Bleibt gesund bis zu unserem nächsten Wiedersehen!!!